Das Kirchenjahr

Das Kirchenjahr im Jahreslauf

Was für den christlichen Glauben grundlegend ist, kehrt jedes Jahr wieder:
in der Erinnerung, in der Feier, in den Liedern und Bräuchen. So hat das Kirchenjahr seinen eigenen Rhythmus im Jahreslauf.

Advent Wir warten auf das Kommen Christi

Weihnachten Jesus Christus ist geboren

Epiphanias
Jesus Christus ist erschienen zum Heil der ganzen Welt

Passion
Jesus Christus leidet und stirbt für uns am Kreuz

Ostern
- Jesus Christus ist auferstanden

Himmelfahrt
- Jesus Christus kehrt zurück zu Gott, seinem Vater, und herrscht mit ihm

Pfingsten
Gottes Geist erfüllt die Menschen

Trinitatis
Wir bekennen den dreieinigen Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist

Trinitatiszeit Die Zeit der Kirche mit Kirchweihfest, Erntedanktag, Reformationsfest und Bußtag

Ende des Kirchenjahres Erde und Mensch vergehen, Gottes neue Welt kommt

Das Kirchenjahr verbindet die Grunddaten des Glaubens mit dem Ablauf des Jahres. Informieren Euch in unserem Liturgischen Kalender über die einzelnen Sonntage im Kirchenjahr, ihre Bedeutung und ihre Textordnung.

In ausführlicher Form noch mal

Feiern im Kirchenjahr

Passionszeit
Mit dem Aschermittwoch beginnt die vierzigtägige Fastenzeit. Der Aschermittwoch hat seinen Namen von dem Aschenkreuz, das seit dem Mittelalter in der römisch-katholischen Kirche den Büßern auf die Stirn gezeichnet wird. Die Asche ist Sinnbild für die Vergänglichkeit alles Irdischen und eine Mahnung zur Umkehr. In früheren Zeiten diente die Fastenzeit den Menschen, die sich in der Osternacht taufen lassen wollten, zur Vorbereitung. Viele Christinnen und Christen verzichten heute in den Wochen vor Ostern auf das, woran sie sonst hängen: zum Beispiel auf Alkohol, Süßigkeiten, auf Fernsehkonsum oder vermeidbares Autofahren. Mit ihrem Fasten wollen sie sich von lieb gewordenen Gewohnheiten und lästigen Zwängen befreien, um wieder offen und sensibel für Gott zu werden für die tatsächlichen eigenen Bedürfnisse, sowie für den Mangel und die Nöte anderer.
Palmsonntag
Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Sie hat ihren Namen vom althochdeutschen "chara", was soviel wie Trauer, Leid und Klage bedeutet. In der "Stillen Woche" wurden früher keine schweren körperlichen Arbeiten verrichtet, keine Prozesse geführt, keine Schulden eingetrieben. Bei Palmprozessionen wird gelegentlich noch ein Esel mitgeführt, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern soll. Palmbuschen und andere grüne Zweige, die Kirchen und Häuser schmücken, sind ein - vorweggenommenes - Sinnbild für den Triumph des Lebens über den Tod.
Gründonnerstag
Der Donnerstag der Karwoche, der Gründonnerstag, erinnert an das letzte Zusammensein Jesu mit seinen Jüngern bei Brot und Wein. Er wird deshalb als Tag der Einsetzung des heiligen Abendmahls begangen. In manchen Gottesdiensten wird wieder der Brauch der Fußwaschung gepflegt. Christen waschen, wie es im Johannesevangelium (13. Kapitel) von Jesus berichtet wird, als Zeichen der Demut und des Dienstes am Nächsten, einander die Füße.
Karfreitag
Der Karfreitag ist der Tag der Kreuzigung. Die Besinnung auf den Tod Jesu steht im Mittelpunkt der Gottesdienste, in denen häufig die Glocken schweigen und der Altar schwarz verhängt wird oder ohne jeden Schmuck bleibt. Für viele evangelische Christen ist es Brauch, wie am Ewigkeitssonntag auch am Karfreitag auf den Friedhof zu gehen und der Toten zu gedenken. Der Fisch, der in vielen Familien an diesem Tag auf den Tisch kommt, ist ein altes Symbol der Christenheit. Die einzelnen Buchstaben des griechischen Wortes für Fisch "ichthys", sind die Anfangsbuchstaben von "Jesus Christus, Gottes Sohn, Heiland". In Anlehnung an Jesu Satz von den Menschenfischern, zu denen seine Nachfolger werden sollen, wird das Fischsymbol auf die mit dem Wasser des Lebens getauften Christen bezogen.
Ostern
Ostern ist das älteste christliche Fest. Es hat zentrale Bedeutung, weil Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt hat. Zwischen Karsamstag und Ostersonntag, meist in den frühen Morgenstunden, wird in den Kirchengemeinden die Osternacht als Übergang zwischen Tod und Leben gefeiert. In der alten Kirche wurde die Osternacht als großes Tauffest begangen. In der evangelischen Kirche wurde die Feier der Osternacht in vielen Gemeinden wiedergewonnen. Um das Fest der Auferstehung herum hat sich ein vielfältiges Brauchtum entwickelt, das immer den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit, der Wärme über die Kälte, des Lebens über den Tod zum Inhalt hat. Zu diesem Brauchtum gehört das Verschenken von gefärbten Eiern als Zeichen für werdendes und nach dem Tod verheißenes Leben. Mit dem Osterfest beginnt die 50 tägige österliche Freudenzeit, in der die Christen der Erscheinungen des Auferstandenen gedenken. In der Kirche brennt während dieser Zeit in allen Gottesdiensten die Osterkerze, die in der Osternacht erstmals entzündet wurde.
Himmelfahrt
Die Himmelfahrt Jesu beschließt nach den Berichten der Evangelisten die Reihe der Erscheinungen des Auferstandenen. Seine Aufnahme in den Himmel bedeutet, dass Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern nicht mehr "sichtbar" begegnet, sondern "zur Rechten Gottes" der Herr aller Welt ist und allen Menschen nahe sein will. Mit Gottesdiensten im Freien und auf Bergen wird sinnenfällig gefeiert, das Jesus Christus den Menschen verheißen hat: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (Matthäus 28,18.20).
Pfingsten
An Pfingsten, wörtlich "der fünfzigste Tag", wird in der Kirche die Ausgießung des Heiligen Geistes gefeiert, wie sie in der Apostelgeschichte (2. Kapitel) der Bibel erzählt wird. Sinnbild für den Geist ist die Taube. Diese Verbindung beruht auf den Berichten der vier Evangelien von der Taufe Jesu, bei der der Geist Gottes in Gestalt einer Taube erscheint. In manchen alten Kirchen wird an Pfingsten eine hölzerne Taube als Zeichen für die Gegenwart des Geistes durch eine Luke in den Altarraum herabgelassen. An die Einheit von Gott, dem Heiligen Geist, dem Sohn und dem Vater erinnert das im Mittelalter eingeführte Trinitatisfest, das auf den Pfingstsonntag folgt. Mit diesem Fest schließt die Reihe der hohen Christusfeste ab.
Erntedankfest
Das Erntedankfest wird am Sonntag nach Michaelis gefeiert, der meist auf den ersten Sonntag im Oktober fällt. Früchte des Gartens und der Felder werden in die Kirche gebracht, um Gott für diese Gaben und alle anderen Lebens-Mittel zu danken. Was für den Gottesdienst gestiftet wurde, wird danach an Alten- und Kinderheime, an Kranke und Bedürftige verschenkt. Der Dank für Essen und Trinken, für Kleidung und Wohnung, für alle Güter dieses Lebens verbindet sich mit der Bereitschaft, sich um Brot für die Welt zu kümmern und mit denen zu teilen, die weniger oder gar nichts haben.
Reformationstag
Am 31. Oktober 1517 hat Dr. Martin Luther seine 95 Thesen zu Buße und Ablaß angeschlagen. Damit begann die Reformation. Die zentrale Erkenntnis Martin Luthers war die Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnade (Römer 3,28). Der Mensch wird nicht durch seine Werke gerechtfertigt, sondern allein aus Glauben. Luther hat diese Einsicht aus dem Studium der Heiligen Schrift gewonnen und durch seine Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache für alle zugänglich gemacht.
Buß- und Bettag
Der Buß- und Bettag bietet Gelegenheit, darüber nachzudenken, was im eigenen Leben und im Zusammenleben in der Gesellschaft verkehrt ist, welche Verantwortung man selbst dafür trägt, und wie die anstehenden Probleme und Schwierigkeiten bearbeitet werden könnten. Der Buß- und Bettag ist ein Festtag, weil er daran erinnert, dass Gott uns Erkenntnis über uns selber schenkt und die Möglichkeit, umzukehren und in unserem Leben etwas zu verändern.
Ewigkeitssonntag
Cristen begehen den Ewigkeitssonntag, den letzten Sonntag des Kirchenjahres, als Ausdruck ihrer Hoffnung für alle Toten und Lebenden und für die Zukunft der Welt. An diesem Sonntag, der auch Totensonntag heißt, wird in den Kirchen der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. In vielen Gottesdiensten werden ihre Namen verlesen. Das Andenken der Toten wird damit über den Kreis der Angehörigen hinaus in der Gemeinde in Ehren gehalten. Die Lebenden werden zugleich an die Grenzen ihres eigenen Daseins erinnert.
Advent
Mit dem Advent beginnt ein neues Kirchenjahr. Das lateinische Wort Advent bedeutet Ankunft, die Ankunft Gottes. Um sich innerlich auf den Heiligen Abend einzustellen, fasten manche Menschen, ähnlich wie in der Passionszeit, einer alten Tradition entsprechend vier Wochen lang. Zu den Adventswochen gehört der Adventskranz mit den Kerzen für die vier Adventssonntage. Der Kranz, in sich gerundet wie ein Kreis, versinnbildlicht Harmonie und Ganzheit. Das Grün der Zweige ist ein Zeichen für Hoffnung und Erwartung. Finsternis und Tod, von vielen Menschen in der Jahreszeit, in der die Tage kurz sind und es früh dunkel wird, als besonders bedrängend empfunden, haben nicht das letzte Wort. Jeder der vier Adventssonntage hat seinen eigenen Charakter: Freude, dass Jesus Christus kommt, Trost und Hoffnung auf seine endgültige Wiederkehr am Ende der Zeiten. Mit den Aktionen "Brot für die Welt" und "Adveniat" denken evangelische und katholische Christen an die Notleidenden in aller Welt.
Nikolaustag
In die Zeit vor Weihnachten fällt auch der Nikolaustag am 6. Dezember. Er erinnert an den Bischof Nikolaus von Myra in Kleinasien, der um das dritte Jahrhundert nach Christus gelebt hat und vor allem in den Kirchen des Ostens wegen seiner Menschenfreundlichkeit und Freigebigkeit sehr verehrt wird. 1535 hat Martin Luther die bis dahin am Nikolaustag übliche Bescherung der Kinder auf Weihnachten verlegt. Die Geschenke stellen seitdem keine Belohnung für besonders braves und fleißiges Verhalten mehr dar. Sie sollen stattdessen ein Sinnbild sein für das Geschenk, das Gott den Menschen mit seinem Sohn macht.
Weihnachten
An Weihnachten feiern die Christen die Geburt ihres Herrn. Untrennbar ist seit etwa 200 Jahren in Deutschland mit dem Heiligen Abend der Brauch verbunden, einen Christbaum aufzustellen und ihn mit Kerzen, Sternen und Kugeln zu schmücken. Der Baum, bei den Germanen ein Sinnbild für Leben und Wachstum, erinnert auch an die biblische Erzählung vom Baum des Lebens und der Erkenntnis des Guten und Bösen in der Mitte des Paradieses. Adam und Eva haben von diesem Baum gegessen und damit den Zugang zum Paradies verloren. Der Christbaum, der oft auch mit Äpfeln verziert wird, steht dafür, dass dieses Paradies nicht für immer verschlossen bleibt: "Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradies; der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis!" heißt es in einem Weihnachtslied. Wenn die Kerzen des Christbaums leuchten, ist es Zeit für das Lesen der Weihnachtsgeschichte und das Singen von Weihnachtsliedern. Die Geschenke, die dann ausgetauscht werden, sind ein Abbild dessen, dass Gott selbst sich schenkt und den Menschen nahekommt. In vielen Familien wird entweder im Verlauf der Adventszeit oder am Heiligen Abend eine Krippe aufgestellt. Der Brauch des Krippenaufstellens soll auf Franziskus von Assisi zurückgehen, der im 13. Jahrhundert für seine Mönchsbrüder eine Krippenfeier mit lebenden Tieren in Szene gesetzt hat. Die ganz verschiedenen Formen der Krippe und ihre vielfältigen Figuren zeigen, dass im Weihnachtsgeschehen alle ihren Platz haben: Frauen, Kinder und Männer, Alte und Junge, Gesunde und Kranke, Arme und Reiche, Menschen aller Zeiten, Nationen und Hautfarben. Dazu gehören auch die Tiere.
Jahreswende
Kirchenglocken und Posaunenklänge von den Türmen bitten um den Segen für das neue Jahr und darum, das vergangene in Frieden loslassen zu können. Die Worte des 121. Psalms sagen, was an der Schwelle von einem Jahr zum anderen zu hoffen ist: "Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit."
Epiphanias
Am 6. Januar feiern die evangelischen Christen das Epiphaniasfest, wörtlich "die Erscheinung des Herrn." Katholische Christen nennen den Tag "Heiligdreikönig", weil er an die Ankunft der Weisen aus dem Morgenland im Stall von Bethlehem erinnert. Die orthodoxe Kirche begeht nicht an Weihnachten, sondern an diesem Tag das Geburtsfest Jesu. Beides gehört zusammen: Die Ankunft Christi auf Erden und der Besuch der Weisen. Gott kommt zur Welt und die Welt kommt zu Gott. Aus dem Volksglauben heraus, die Weisen aus dem Morgenland seien drei Könige gewesen, leitet sich bis heute der Brauch ab, als Sternsinger von Haus zu Haus zu ziehen. Über die Haustüre werden die drei Buchstaben C-M-B und die neue Jahreszahl geschrieben: "Christus mansionem benedicat", Christus segne dieses Haus.

Quelle:
"Evangelisches Gesangbuch elektronisch" Auflage 8/99
ISBN 3-438-01911-6 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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